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Wenn die Gefühle im Weg sind

 

Wenn die Gefühle im Weg sind

Unsere Gefühle machen uns aus, sie sind Teil von uns – unterschiedlich ausgeprägt. Und sie sind in jedem Moment aktiv. Wir können sie teilweise steuern, manchmal übermannen sie uns. Manchmal können wir sie genießen, manchmal stehen sie uns im Weg. Mitunter ist „Angst“ ein gutes Beispiel: Die Angst vor Spinnen ist in unseren Breitengraden unwesentlich nötig zum Selbsterhalt, aber weit verbreitet. Wie sich unsere Gefühle äußern, ist unabhängig von kulturellem Hintergrund und man vermutet dahinter eine biologische Grundlage, die erst die bewusste Wahrnehmung von Gefühlen ermöglichen. Einem lachenden Menschen unterstellen wir sofort Freude und einem Weinendem die Trauer. Auch dazwischen gibt es Nuancen an Ausdrücken – sogenannte Mikroexpressionen – die es fähigen Beobachtern ermöglichen, die sieben universellen Emotionen (Ekel, Ärger, Angst, Traurigkeit, Freude, Überraschung und Verachtung) zu erkennen. Auch andersherum funktioniert der Zusammenhang von Körperausdruck und Gefühlen: Es ist schwierig dem Lachen – selbst eines wildfremden – Menschen zu widerstehen. Die eigene Stimmung kann man heben, in dem man einfach vor sich hinlächelt.

Radar für Gefühle

Unseren Hunden gegenüber haben wir eine Vielzahl an Gefühlen: Wir genießen ihre Gegenwart und erfreuen uns an ihnen. Wir ärgern uns über Fehlverhalten und trauern, wenn sie von uns gehen. Wir haben Angst vor ihnen und manchmal auch um sie.

Ein großes Problem – oder ein großer Vorteil – ist, dass wir unsere Gefühle unseren Hunden gegenüber schwer verbergen können. Die Vierbeiner kommunizieren untereinander über Körpersprache und sie sind Experten im lesen dieser. Erschwerend kommt hinzu, dass sie eine optimierte Bildabfolge und somit auch die Fähigkeit haben, Mikroausdrücke zu erkennen und – durch das enge Zusammenleben mit uns – diese auch zu deuten. Es ist also nicht möglich ihnen etwas vorzumachen.

Souveränität – was ist das?

Nun hören und lesen wir immer wieder, dass nur ein souveräner Mensch mit einer inneren Autorität ein guter Rudelführer sein kann. Dies wird durch verschiedenste Sichtweisen und Methoden auch hin und wieder als „Energie“ als „Flow“ oder als „Dominanz“ ausgedrückt. Im Prinzip bedeutet es aber – und das wissen wir durch die Forschung der Rudeldynamik – dass sich das souveräne Leittier durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, dass keine lebensbedrohliche und -erhaltende Grundlage hat. Souveränität wird auch oft mit Unabhängigkeit gleichgesetzt und kann in die Hundehaltung somit als Unabhängigkeit gegenüber dem Hund übersetzt werden. Und wenn wir dies im Detail betrachten, wird klar: Der Hund ist von uns abhängig und nicht andersherum.

Jetzt mal ehrlich

Jetzt wird der Leser staunen und sagen: Ja natürlich, ich bin nicht abhängig von meinem Hund – immerhin bin ich der Futterautomat. Aber diese Abhängigkeit möchte ich gerne mit den Gefühlen in Verbindung setzen. Wir Menschen neigen dazu uns abhängig von vielerlei Dingen zu machen und damit meine ich nicht das offensichtliche wie eine Arbeitsstelle, ein Fahrzeug etc. Manch einer ist abhängig von Anerkennung, von Harmonie und von Status. Übertragen auf unser Haustier, sind wir auch hier abhängig: Der Hund soll uns mögen, nein noch mehr, er soll uns lieben. Wir sind abhängig davon, dass er uns das Gefühl gibt nicht alleine zu sein, dass er von Nachbarn und Freunden bestaunt wird. Er ist ein Statussymbol und soll gleichzeitig unser allerbester Freund sein. Daraus entsteht Leistungsdruck: Wir müssen die Aufgaben in der Hundeschule problemlos meistern, am besten mit einem Zeugnis oder einer Urkunde bestätigt. Und wenn der Hund auf der Hundewiese nicht hört, spüren wir förmlich das Augenrollen der anderen Besitzer – „wie peinlich“. Auf das Minimalste reduziert zeigt sich meine Leistung an dem, wie mein Hund auf mich hört. Hört er nicht, bin ich gescheitert.

Somit ist es völlig natürlich und in dieser Hinsicht auch unvermeidbar, dass wir massiv Gefühle in das Zusammenleben mit unserem Hund bringen. Auf keinen Fall möchte ich bewirken, dass wir dies nicht mehr tun – denn wie oben beschrieben: Gefühle machen uns aus und sind ein untrennbarer Teil von uns. Dennoch finde ich es entscheidend, dass wir versuchen – Betonung auf versuchen – zumindest uns unserer Gefühle und deren Beweggründe bewusst zu werden. Warum bin ich sauer, wenn mein Hund auf das Sofa hüpft, obwohl er das nicht soll. Warum ärgert es mich, wenn er schon wieder an der Leine zieht. Worum geht es mir in diesen Momenten tatsächlich? Stelle ich in diesen vielleicht meine eigene Unvollkommenheit fest? Habe ich meine eigenen Bedürfnisse und meine Beweggründe im Blick und kann vernünftig und ohne Wut auf die Situation schauen, kann ich Souveränität ausstrahlen. Damit ermögliche ich überhaupt erst wieder eine Kommunikationsebene mit dem Vierbeiner. Ein wutentbrannter, ein verärgerter Hundehalter ist nämlich das Letzte was ein Hund ernst nimmt – oder noch schlimmer, ist das wovor er sich am meisten fürchtet.

Wie bin ich drauf?

Noch besser als in den Situationen, die uns verärgern, innezuhalten und die Gefühle zu reflektieren, ist es solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen – oder nur dann, wenn ich mich dem gewachsen fühle. Laufe ich hektisch von Termin zu Termin, sollte ich vielleicht nicht mit Argusaugen auf die Leinenführigkeit des Hundes achten. Und komme ich vielleicht grade von einem stressigen Arbeitstag nach Hause – ist es nicht der beste Moment um ein „Nicht-aufs-Sofa-Springen“-Training zu machen.

Der Blick nach Innen in meine Gefühlswelt, meine momentanen Bedürfnisse und meine eigene Stimmung ist für das Hundetraining unabdingbar. Achtsamkeit und Selbstbewusstsein (im Sinne von „sich seiner Selbst bewusst sein“) ist also ein erster Schritt zu einer erfolgreichen Souveränität.

Natürlich ist Konsequenz in diesem Fall schwierig – aber auch möglich und nötig. Zum Beispiel könnte ich dem Hund zum Halsband ein Geschirr anziehen und ihm am Geschirr das Ziehen „erlauben“ (bzw. nicht korrigieren). Ich könnte das Sofa mit Kissen, Kartons oder ähnlichem belegen, sodass der Hund keine Möglichkeit hat draufzuspringen.

Bin ich emotional stabil und fühle mich motiviert, ist es der richtige Zeitpunkt für ein Training. Und durch die Erfolgserlebnisse, die ich dann haben werde, wächst mein Bewusstsein und meine eigenen Lösungsstrategien.

Legen wir also endlich einmal nicht nur den Blick auf den Hund – sondern in erster Linie auf den Halter und sein Inneres und arbeiten an dem, was wir da sehen, erreichen wir die Ebene, die uns befähigt ein souveräner Hundehalter zu sein, der seine Ziele im Blick hat. Wir werden automatisch mit Hingabe von unseren Hunden betrachtet werden und ihr größtes Bestreben wird es sein, uns zu gefallen und unsere Gunst zu gewinnen. Erreichen wir diese innere Stärke, werden wir eher das Problem haben, dass unser Hund nicht mehr von unserer Seite weichen, als dass wir ein Rückruf-Training machen müssen.

In diesem Sinne, achtet auf euch selbst!

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